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Rede von Botschafterin Petra Dachtler zum Tag der Deutschen Einheit 2026

Botschafterin Petra Dachtler beim Empfang anlässlich des Tags der Deutschen Einheit

Botschafterin Petra Dachtler beim Empfang anlässlich des Tags der Deutschen Einheit © Deutsche Botschaft Aschgabat

03.10.2026 - Artikel

Hormatly jenap Geldimyradow,

Excellencies,

hormatly hanymlar we jenaplar,

verehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

Ich heiße Sie herzlich willkommen zum Empfang anlässlich des Tages der Deutschen Einheit.

Mein Dank geht an das Hotel Yyldyz für die professionelle Ausrichtung, an das turkmenische staatliche Symphonieorchester für die musikalische Begleitung und natürlich an mein Team in der Botschaft für die tolle Vorbereitung.

Danken möchte ich auch dem Weingut Hans Wirsching für die großzügige Unterstützung.

Der 3. Oktober vollendete durch den Beitritt der fünf neuen Bundesländer zur Bundesrepublik Deutschland einen Weg, der schon lange vorher begonnen hatte und von einschneidenden Ereignissen in ganz Europa begleitet wurde.

Ich möchte heute beispielhaft von einem erzählen:

Bis August war ich an der deutschen Botschaft in Prag tätig, die eine besondere Bedeutung für die Deutsche Wiedervereinigung hat. Nach Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze im Sommer 1989 machten sich auch viele Bürger der ehemaligen DDR auf den Weg dorthin, um in den Westen zu gelangen. Oft kamen sie aber nur bis Prag. Dort kletterten Sie in den Garten der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland und verlangten die Ausreise nach Westdeutschland. Sie ließen ihre Trabants und Wartburgs in den Straßen von Prag zurück, hängten ihre Hausschlüssel an Mauern und brachen so die Brücken in ihre alte Heimat ab, ohne zu wissen, ob ihr Unterfangen erfolgreich sein oder ob sie ihre Familienangehörigen in Ostdeutschland je wiedersehen würden.

Im September 1989 campierten 4.000 „Botschaftsflüchtlinge“ im Garten der Botschaft und in den Büros der Diplomaten. Es wurde kalt, die Lage war schwierig. Am 30.9.1989 schließlich reiste der damalige Bundesaußenminister Genscher nach Prag und verkündete das Ergebnis der Verhandlungen mit der DDR-Führung: die Menschen konnten ausreisen. Sechs Wochen später fiel die Berliner Mauer, sechs Monate später wurde der 2+4 Vertrag geschlossen und knapp ein Jahr später war Deutschland wiedervereint.

Nicht nur in Ostdeutschland, überall in Osteuropa gingen die Menschen ähnliche Risiken ein. Sie tauschten ihre vermeintliche Sicherheit für eine ungewisse Zukunft, getragen vom Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Für Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen heute erneut auch die Menschen in der Ukraine. Deutschland steht an ihrer Seite und unterstützt sie, denn in Charkiv und Kiev verteidigen die Ukrainerinnen und Ukrainer tagtäglich auch die Freiheit Europas.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Auch TKM hat aktuell Grund zum feiern.

Ich gratuliere der tkm Führung zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit und zu den beeindruckenden Feierlichkeiten, an denen wir letzte Woche teilnehmen durften.

Deutschland war eines der ersten Länder, das in allen fünf zentralasiatischen Staaten eine Botschaft eröffnete. Unsere bilateralen Beziehungen blicken auf 35 Jahre zurück, in denen sich der politische, wirtschaftliche und kulturelle Austausch verstetigt hat.

Deutsche Firmen genießen hierzulande einen guten Ruf im Bereich Medizintechnik, sind aktiv in der Logistik z.B. bei der Planung des Hafens von Turkmenbaschi, oder auch in der Öl- und Gasindustrie und im Bankwesen. Gerade erst im Juli besuchte eine deutsche Wirtschaftsdelegation Turkmenistan und führte Gespräche mit mehreren Vize-Premiers. Vielen Dank an die turkmenische Regierung für die hochrangige Wahrnehmung, auch an Sie, Herr Vize-Premier.

63.000 Turkmeninnen und Turkmenen lernen Deutsch an Universitäten und dem Sprachlernzentrum DIL gelehrt, es gibt zwei Partnerschulen im Land mit intensiviertem Deutschunterricht. Studentinnen und Studenten können Stipendien über den Deutschen Akademischen Austauschdienst erhalten, es gibt mehrere Hochschulpartnerschaften.

Außenpolitisch stehen Deutschland und Turkmenistan gemeinsam für multilaterale Zusammenarbeit, insbesondere im Rahmen der Vereinten Nationen, für die Geltung des Völkerrechts und friedliche Konfliktlösung. Deutschland setzt sich als exportorientierte Volkswirtschaft gerade angesichts der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten für freie Handelswege und freie Schifffahrt ein. Als aktives EU-Mitglied begrüßen wir den jüngsten Abschluss mehrerer Freihandelsabkommen wie zwischen der EU und Mercosur, mit Indien und Indonesien. Dadurch hat die EU als einzige Region Freihandelsabkommen mit mehr als 50% der Weltbevölkerung, was zum Wohlstand aller Beteiligten beiträgt.

In Zentralasien unterstützt Deutschland daher die Verbesserung des grenzüberschreitenden Handels sowie Umwelt- und Grenzschutzmaßnahmen. Im Format Z5+1 steht ein weiterer Gipfel auf Ebene der Staats- und Regierungschefs in Berlin an, auf den wir uns sehr freuen. Der Dank geht an die turkmenische Führung für die Zusammenarbeit in diesem Format, das noch viel Potential birgt.

Sehr geehrter Herr Geldimyradow,

dies ist mein 1. Tag der Deutschen Einheit in Aschgabat, einer Stadt, die ich noch dabei bin zu entdecken. Ich freue mich, hier zu sein.

Lassen Sie uns gemeinsam das Potential der deutsch-turkmenischen Beziehungen weiter ausschöpfen.

Vielen Dank!

*Es gilt das gesprochene Wort*

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